Verena Könekamp

Rückblick und Eröffnungsrede

Ausstellung Farbkraft, Lichtkraft

Stadtmuseum Crailsheim 2026

„Leider schützt uns die Kunst nicht vor dem Angriff des Bösen. Das Schöne ist nicht imstande, die Welt zu retten, aber es gibt der Menschheit Kraft und ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt. Das soll unsere Botschaft sein.“ Oleksander Shteschynsky 

Eröffnungstext Tobias Wall

Kunst und Kunstförderung ist mein Geschäft. Jeden Tag habe ich mit Kunst zu tun, mit Künstlerinnen und Künstlern, mit dem Kunstbetrieb und seinen Institutionen. Und das in einer Welt, die an vielen Orten in Flammen steht Und mehr denn je stelle ich mir die Frage, welche Bedeutung, welche Verantwortung Kunst in unserer Welt überhaupt noch hat. Und ich bin hin und hergerissen zwischen zwei entgegengesetzten Polen: Manchmal denke ich, Kunst ist heute völlig irrelevant, geradezu lächerlich angesichts von Kriegen, Invasionen Brutalität und Unmenschlichkeit und dann bäumt sich etwas in mir auf, das sagt: nein: sie ist vielleicht die einzige Rettung. „Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch“. 

Denn ist Krieg der schreckliche Ausdruck von Unkultur, von Unfreiheit und Unmenschlichkeit. Kunst hingegen ist für mich das Gegenteil davon: sie ist Ausdruck von Kultur, von Freiheit und Menschlichkeit. Und wo Kunst gelebt, geschaffen, diskutiert wird, da ist kein Platz für Krieg zumindest nicht in den Herzen derer, die künstlerisch tätig sind und derer, die sich aufrichtig mit der Kunst beschäftigen. Insofern ist die Kunst in gewisser Hinsicht tatsächlich die Rettung, denn wo Kunst ist, gibt es zumindest die Hoffnung, dass hier Freiheit und Menschlichkeit noch gelebt wird. „Das Licht, das die Dunkelheit besiegt“. Das ist auch der Grund, warum der Ausspruch von Shteshynsky für mich so gut zur Kunst von Verena Könekamp passt.

Es ist eine enorm positive, kraftvolle Kunst, eine, die sich entgegenstellt, die die Welt in ihrer intensiven Farbigkeit erleuchten will. Sie hat eine Kraft, die über das ästhetische hinausgeht, größer und stärker ist, eine existentielle Kraft. Farbe als Lebenskraft.

Wenn man Verena kennenlernt versteht man auch, wo diese Energie herkommt. Sie ist buchstäblich keine Schönmalerin, sie schafft mitten heraus aus ihrem Leben, einem sehr bewegten Leben: Textildesignerin, Siebdruckerin; sie führt damit eine große Tradition im Südwesten weiter und hat ein großes und vielfältiges Werk geschaffen, aus dem sie hier in der Ausstellung schöpft. Sie sehen Arbeiten auf Papier und Leuchtkästen. 

Aus diesem Leben heraus erschafft sie ihre Kunst und zwar hinein in das Leben der Betrachterinnen. Wenn Sie sich die Ausstellung ansehen, werden Sie bemerken: Hier geht es nicht nur darum, Räumlichkeiten schön auszustatten oder zu gestalten, Verena Könekamp will mit ihrer Farbkunst die Räume, in denen sie arbeitet aufladen, gleichsam zum Leuchten bringen und uns Betrachter will sie dabei mit hinein nehmen in diese Räume und auch uns aufladen mit positiver Energie.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie virtuos Verena Könekamp in ihrer Kunst mit dem Raum umgeht. Nirgends kann man das besser erleben als hier in diesem wunderbaren Ausstellungsraum, der allerdings für die Kunst auch eine Herausforderung darstellt: ein Kirchenraum mit einem Chor. VK nimmt die spirituelle Kraft des Ortes auf, indem sie eine prachtvoll leuchtende Stoffbahn aufhängt, die auf den Boden fließt oder sich farbig in den Raum erhebt. Auch in der strengen Hängung der Werkreihen an den Wänden scheint sie den Rhythmus eines Kirchenraumes mit seinen liturgischen Bildern aufzunehmen. 

Wenn Sie sich ein Kraftbad in Farben genehmigen wollen, müssen Sie sich in die Räume nebenan begeben: 2 Es erwarten Sie Landschaften aus leuchtenden Farben, ineinander fließende strahlende Orange- und Gelbtöne werden von einem Fluss von kräftigen Pink durchzogen. Die Leuchtkraft dieser ungewöhnlichen Farbkombination ist unglaublich, man meint in eine Seelandschaft auf einem fantastischen Kraftplaneten zu blicken. Daneben Kompositionen aus Grüntönen, die frühlingshafte Kontraste Ruhepunkt zu den Rotgelben Kompositionen bilden. 

Die Kraft der Farben bei Verena Könekamp ist sensationell: Woran liegt das? Zum einen natürlich an der besonderen Farbigkeit, der Strahlkraft, die bis ins Neon reicht. Außerdem ergibt sie sich durch die verschiedenen Untergründe, auf denen die Künstlerin arbeitet: es gibt einerseits Papier aber auch verschiedene Stoffe, manche glatt, manche ganz grob strukturiert, geradezu genoppt wirkt. Diese Struktur hinterlegt die informellen Farbereignisse mit einem strengen Raster, was der Darstellung aus der Nähe fast die Anmutung einer Bildschirmansicht oder eines Monitors mit ihrem inneren Leuchten gibt. Vor allem jedoch saugen sich diese Noppen im Druckprozess durch und durch mit Farbe voll, funktionieren quasi wie ein Farbspeicher, aus dessen Tiefe die Farben durch die Oberfläche hindurchleuchten. 

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